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Sexualität

Dr. med. Nicole Viereck
Von Dr. med. Nicole Viereck
Sexualität

Sexualität und sexuelle Gesundheit

Sexualität ist ein integraler Bestandteil des menschlichen Lebens und trägt wesentlich zur Lebensqualität bei. Sexualität ist gleichzeitig komplex und wird von biologischen, psychologischen, sozialen und partnerschaftlichen Faktoren beeinflusst. Sexuelle Gesundheit bedeutet nicht nur die Abwesenheit von Krankheit, sondern auch die Möglichkeit, Sexualität positiv und lustvoll zu erleben. Wenn sexuelle Schwierigkeiten auftreten, kann das die Lebensqualität einschneidend beeinträchtigen.

Häufige sexuelle Symptome bei Frauen

Sexuelle Funktionsstörungen können in jeder Phase des Lebens auftreten und die sexuelle Zufriedenheit stark beeinträchtigen.

  • Libidostörungen (Sexuelles Desinteresse, Appetenzstörung):

    • Anhaltend vermindertes oder fehlendes sexuelles Verlangen.
    • Ursachen können hormonell (z.B. Östrogenmangel in den Wechseljahren, Testosteronmangel), psychisch (Stress, Depression, Beziehungsprobleme), medikamentös (z.B. Antidepressiva) oder durch chronische Krankheiten bedingt sein.
  • Sexuelle Erregungsstörungen:

    • Schwierigkeiten, sexuell erregt zu werden oder die Erregung aufrechtzuerhalten, oft verbunden mit mangelnder Lubrikation (Feuchtigkeit).
    • Ursachen ähnlich wie bei Libidostörungen.
  • Orgasmusstörungen (Anorgasmie):

    • Anhaltende oder wiederkehrende Schwierigkeiten, einen Orgasmus zu erreichen, trotz ausreichender sexueller Stimulation.
    • Ursachen können psychisch (Angst, Schuldgefühle, negative sexuelle Erfahrungen), partnerschaftlich, hormonell oder durch bestimmte Medikamente bedingt sein.
  • Sexuelle Schmerzstörungen:

    • Dyspareunie: Schmerzen während oder nach dem Geschlechtsverkehr. Ursachen können organisch (z.B. Scheidentrockenheit, Entzündungen, Endometriose, Lichen sclerosus, Vernarbungen) oder psychogen sein.
    • Vaginismus: Unwillkürliches Verkrampfen der Beckenbodenmuskulatur, das das Aufnehmen in die Scheide erschwert oder unmöglich macht.

Häufige sexuelle Symptome bei Männern

  • Libidostörungen (Vermindertes sexuelles Verlangen):

    • Anhaltend reduziertes oder fehlendes sexuelles Interesse. Ursachen können hormonell (z.B. Testosteronmangel), psychisch (Stress, Depression, Burnout), medikamentös (z.B. Antidepressiva, Blutdruckmittel) oder durch chronische Erkrankungen (z.B. Diabetes) bedingt sein.
  • Erektionsstörungen (Erektile Dysfunktion):

    • Anhaltende Schwierigkeiten, eine für den Geschlechtsverkehr ausreichende Erektion zu erreichen oder aufrechtzuerhalten.
    • Ursachen können vaskulär, neurologisch, hormonell, psychisch oder medikamentös bedingt sein.
    • Erektionsstörungen können auch ein Frühzeichen kardiovaskulärer Erkrankungen sein.
  • Ejakulationsstörungen:

    • Vorzeitiger Samenerguss (Ejaculatio praecox): Häufigste männliche Sexualstörung. Der Orgasmus tritt bereits kurz nach Beginn der Stimulation oder vor dem gewünschten Zeitpunkt ein. Ursachen sind häufig psychisch (Angst, Aufregung).
    • Verzögerter oder ausbleibender Samenerguss (Ejaculatio retarda / Anejakulation): Schwierigkeiten oder Unfähigkeit, einen Orgasmus zu erreichen, trotz ausreichender Stimulation. Ursachen: u.a. Medikamente (z.B. SSRIs), psychische Faktoren.
    • Retrograde Ejakulation: Der Samen fliesst in die Blase statt nach aussen. Häufig nach Prostataoperationen oder bei Diabetes.
  • Orgasmusstörungen:

    • Orgasmus ohne Ejakulation oder Ejakulation ohne Orgasmuserleben. Ursachen können neurologisch, medikamentös oder psychisch bedingt sein.
  • Sexuelle Schmerzstörungen:

    • Dyspareunie: Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Ursachen können organisch sein (z.B. Phimose, Prostatitis u.a.).

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und Art der sexuellen Funktionsstörung und ist oft multimodal:

  • Behandlung organischer Ursachen:

    • Hormontherapie (z.B. lokale Östrogene bei Scheidentrockenheit).
    • Behandlung von Infektionen oder Hauterkrankungen.
    • Physiotherapie/Beckenbodentraining (z.B. bei Vaginismus, Dyspareunie, vorzeitigem Samenerguss).
  • Medikamentöse Ansätze:

    • ggf. Testosteron bei Libidomangel nach sorgfältiger Abwägung
    • ggf. erektionsfördernde Medikamente
  • Lifestyle-Anpassungen:

    • Stressreduktion, gesunde Lebensweise, offene Kommunikation mit dem Partner.

Sexualberatung und -therapie:

Sexualtherapie ist ausschliesslich verbale Therapie – es findet keinerlei körperlicher Kontakt statt. In den Sitzungen arbeiten wir auch mit gezielten Übungen zur Selbstwahrnehmung sowie bewährten therapeutischen Methoden, die individuell abgestimmt werden.

Forschung zu diesem Thema

2 peer-reviewed Publikationenseit 2024

Diese Informationen dienen zu Ihrer persönlichen Orientierung und ersetzen keine medizinische Beratung oder Behandlung durch eine Ärztin oder einen Arzt.

Unsere Praxis bietet Sexualtherapie sowohl für Frauen als auch für Männer an – in einem vertraulichen, wertfreien und respektvollen Rahmen. Wir arbeiten mehrheitlich im Einzelsetting. Das bedeutet: Die Therapie befasst sich mit Ihrem persönlichen Anliegen und Ihrem persönlichen Veränderungswunsch – unabhängig davon, ob Sie in einer Partnerschaft leben oder nicht, ob Ihre Partnerschaft belastet ist oder nicht.

Wenn Sie eine Therapie als Paar suchen, empfehlen wir Ihnen gerne spezialisierte Fachstellen für Paartherapie in der Region Thurgau.

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