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Reizblase

Dr. med. Nicole Viereck
Von Dr. med. Nicole Viereck
Reizblase

Was ist eine Reizblase?

Eine Reizblase (überaktive Blase) ist eine Funktionsstörung der Blase. Dabei zieht sich der Muskel bereits bei geringer Füllung der Blase krampfartig zusammen, was zu einem plötzlichen, zwanghaften Harndrang führt – oft ohne dass die Blase tatsächlich voll ist. Kommt es dabei zum unkontrollierbaren Urinverlust, liegt eine Dranginkontinenz vor.

Ursachen und Risikofaktoren

  • Chronische Blasen- und Harnröhrenentzündungen
  • Interstitielle Zystitis als besondere Form einer chronischen Blasenerkrankung
  • Restharn durch unvollständige Blasenentleerung
  • Alterungsprozesse: Langjährig zu geringe Trinkmenge führt zu kleinem Blasenvolumen, Östrogenmangel nach der Menopause macht die Schleimhäute empfindlicher
  • Psychische Faktoren: Stress, Angst oder emotionale Belastung können die Symptome verstärken
  • Neurologische Störungen (selten): Fehlsteuerungen der Nervenbahnen zwischen Gehirn und Blase

Symptome

  • Häufiger Harndrang: Mehr als 8-mal pro Tag (Pollakisurie)
  • Plötzlicher, starker Drang: Das Gefühl, sofort eine Toilette aufsuchen zu müssen (Urge-Symptomatik)
  • Nykturie: Häufiges nächtliches Erwachen durch Harndrang
  • Dranginkontinenz: Gelegentlicher Urinverlust, wenn die Toilette nicht schnell genug erreicht wird
  • Fehlen von Brennen: Im Gegensatz zur Blasenentzündung schmerzt das Wasserlassen meist nicht

Diagnose

  • Anamnese & Trink- und Miktionstagebuch: Protokollierung der Trinkmenge und Toilettengänge über einige Tage
  • Ausschlussdiagnostik: Urinprobe, um eine Infektion auszuschliessen
  • Ultraschall: Messung des Restharns nach dem Wasserlassen
  • Zystoskopie: Richtungsweisende Diagnostik bei chronischer Blasenentzündung oder interstitieller Zystitis
  • Urodynamik: Druckmessung der Blase bei Verdacht auf komplexe Störungen oder Mischharninkontinenz

Behandlungsmöglichkeiten

  • Behandlung einer Grunderkrankung, die ursächlich für die Reizblasenbeschwerden ist
  • Trink- und Miktionstraining: Achten auf eine ausreichende Trinkmenge und gezieltes Hinauszögern des Toilettengangs, um die Blasenkapazität zu steigern
  • Lokale Hormontherapie: Östrogensalben bei Frauen nach der Menopause
  • Physiotherapie: Stärkung der Muskulatur zur besseren Kontrolle des Drangs, Entspannung bei imperativem Harndrang und Veränderung des Miktionsverhaltens
  • Phytotherapie
  • Medikamente: Anticholinergika oder Betamimetika zur Entspannung des Blasenmuskels
  • Stressabbau: Entspannungstechniken (z.B. Autogenes Training), da die Psyche eine grosse Rolle spielt
  • PTNS (perkutane Tibialisnervenstimulation): Sanfte Nervenstimulation am Innenknöchel zur Verbesserung der Blasensteuerung, ambulant und ohne Medikamente
  • Botox-Injektionen in den Blasenmuskel

Prophylaxe & Alltagstipps

  • Richtiges Trinkverhalten: Nicht zu wenig
  • Reizstoffe meiden: Verzicht auf Koffein, Alkohol und scharfe Gewürze, die die Blase zusätzlich reizen
  • Keine vorsorglichen Toilettengänge: Die Toilette nur aufsuchen, wenn man wirklich muss, um die Blase nicht auf kleine Mengen zu konditionieren
  • Warme Füsse & Unterleib: Kälte kann die Reizbarkeit des Muskels erhöhen
  • und vieles mehr

Forschung zu diesem Thema

9 peer-reviewed Publikationen6 Auszeichnungenseit 2016

Diese Informationen dienen zu Ihrer persönlichen Orientierung und ersetzen keine medizinische Beratung oder Behandlung durch eine Ärztin oder einen Arzt.

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