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Lichen sclerosus

Dr. med. Nicole Viereck
Von Dr. med. Nicole Viereck
Lichen sclerosus

Was ist Lichen sclerosus?

Lichen sclerosus (LS) ist eine chronisch entzündliche Hauterkrankung, die vorwiegend den Genitalbereich (Vulva, Penis) und den Analbereich betrifft. Die Erkrankung führt zu weisslichen, manchmal verdickten Hautveränderungen, Juckreiz und Schmerzen. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, und die Erkrankung kann in jedem Alter auftreten, auch bei Kindern.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genaue Ursache des Lichen sclerosus ist unbekannt. Es werden jedoch folgende Faktoren diskutiert:

  • Autoimmunreaktion: Es wird vermutet, dass das Immunsystem fälschlicherweise körpereigenes Gewebe angreift.
  • Genetische Veranlagung: Eine familiäre Häufung wird beobachtet.
  • Hormonelle Faktoren: Ein Zusammenhang mit niedrigen Östrogenspiegeln wird diskutiert, ist aber nicht eindeutig belegt.
  • Infektionen: Bestimmte Infektionen könnten eine Rolle spielen, dies ist jedoch umstritten.
  • Lokale Traumata oder Reizungen: Können bei anfälligen Personen Schübe auslösen.

Lichen sclerosus ist nicht ansteckend und wird nicht durch mangelnde Hygiene verursacht.

Symptome

Die Symptome können variieren und schleichend beginnen oder plötzlich auftreten:

  • Anhaltender, starker Juckreiz (Pruritus): Das häufigste und oft quälendste Symptom.
  • Brennen und Wundgefühl
  • Weissliche, porzellanartige Hautveränderungen: Die Haut kann dünn, pergamentartig und verletzlich werden (atrophisch) oder sich verdicken (hyperkeratotisch).
  • Einrisse (Fissuren) und Blutungen: Besonders bei mechanischer Beanspruchung.
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie)
  • Narbenbildung und Schrumpfung der Genitalstrukturen: Z.B. Verkleinerung der inneren Vulvalippen, Verengung des Vaginaleingangs oder Vorhautverengung beim Mann.
  • Veränderungen der Harnröhrenöffnung: Können zu Problemen beim Wasserlassen führen.

Diagnose

Die Diagnose basiert auf:

  • Anamnese: Erhebung der Symptome und der Krankengeschichte.
  • Klinische Untersuchung: Betrachtung der betroffenen Hautareale. Oft ist das Erscheinungsbild typisch.
  • Ggf. Hautbiopsie bei klinisch unklaren Befunden: Entnahme einer kleinen Hautprobe unter lokaler Betäubung zur feingeweblichen (histologischen) Untersuchung. Dies ist der Goldstandard zum Ausschluss anderer Erkrankungen, insbesondere eines Plattenepithelkarzinoms, das sich in seltenen Fällen auf dem Boden eines langjährigen Lichen sclerosus entwickeln kann (erhöhtes Risiko).

Behandlungsmöglichkeiten

Lichen sclerosus ist nicht heilbar, aber die Symptome können in der Regel gut kontrolliert und das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamt werden. Eine lebenslange Betreuung und regelmässige Kontrollen sind wichtig.

  • Topische Kortikosteroide (Kortisoncremes/-salben): Dies ist die Hauptstütze der Behandlung. Hochpotente Kortikosteroide werden initial intensiv und dann in einer niedrigeren Erhaltungsdosis angewendet, um Entzündungen zu reduzieren und den Juckreiz zu lindern.
  • Topische Calcineurininhibitoren (z.B. Tacrolimus, Pimecrolimus): Können als kortisonfreie Alternative oder Ergänzung eingesetzt werden, insbesondere zur Langzeitbehandlung oder an empfindlichen Stellen.
  • Fettende, pflegende Basistherapie: Regelmässige Anwendung von milden, unparfümierten Salben oder Cremes zur Pflege der trockenen, empfindlichen Haut und zur Vorbeugung von Rissen.
  • Behandlung von Komplikationen:
    • Bei Verengungen (Strikturen) können Dehnungsbehandlungen oder operative Korrekturen notwendig sein.
    • Behandlung von Sekundärinfektionen (z.B. Pilzinfektionen).
  • Regelmässige Selbstuntersuchung und ärztliche Kontrollen: Zur Früherkennung von Hautveränderungen, insbesondere im Hinblick auf das leicht erhöhte Risiko für Hautkrebs im betroffenen Bereich.
  • Psychologische Unterstützung: Die chronische Natur der Erkrankung und die Symptome können belastend sein.
  • Lasertherapie:

Als moderne und schonende Behandlungsoption bieten wir im Blasenzentrum der Frau bei Lichen sclerosus die Lasertherapie mit dem Erbium- sowie dem Neodymium-YAG-Laser an. Während der Erbium-Laser gezielt die oberflächlichen Hautschichten regeneriert und die Kollagenproduktion anregt, wirkt der Nd:YAG-Laser tiefer im Gewebe, fördert die Durchblutung und unterstützt den natürlichen Heilungsprozess. Gemeinsam erzielen beide Verfahren eine spürbare Linderung von Juckreiz und Brennen sowie eine sichtbare Verbesserung der Gewebequalität. Die Behandlung wird ambulant durchgeführt und ist gut verträglich. Gerne beraten wir Sie in unserer Praxis, ob und wie die Lasertherapie für Ihre individuelle Situation geeignet ist.

Selbsthilfe und Lebensstil

  • Vermeiden Sie Reizstoffe: Keine aggressiven Seifen, Intimsprays, parfümierte Produkte.
  • Tragen Sie lockere Kleidung und Unterwäsche aus Baumwolle.
  • Bei Geschlechtsverkehr Gleitmittel verwenden.
  • Stressmanagement.

Forschung zu diesem Thema

3 peer-reviewed Publikationen2 Auszeichnungenseit 2023

Wann ärztliche Hilfe suchen?

  • Sie anhaltenden Juckreiz, Brennen oder Hautveränderungen im Genital- oder Analbereich bemerken.
  • Wenn Veränderungen der Haut auftreten, z.B. Knoten oder nicht heilende Wunden.
  • Sie Schmerzen beim Geschlechtsverkehr haben.

Diese Informationen dienen zu Ihrer persönlichen Orientierung und ersetzen keine medizinische Beratung oder Behandlung durch eine Ärztin oder einen Arzt.

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