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Chronisches Beckenschmerzsyndrom (CPPS)

Dr. med. Nicole Viereck
Von Dr. med. Nicole Viereck
Chronisches Beckenschmerzsyndrom (CPPS)

Was ist das chronische Beckenschmerzsyndrom?

Das chronische Beckenschmerzsyndrom (CPPS), oft auch als Chronic Pelvic Pain (CPP) bezeichnet, ist definiert als anhaltender oder wiederkehrender Schmerz im Beckenbereich, der längere Zeit andauert. Die Schmerzen sind oft nicht auf eine einzelne, klar identifizierbare Ursache zurückzuführen und können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.

Mögliche Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen für chronische Beckenschmerzen sind oft komplex. Verschiedene Erkrankungen können chronische Beckenschmerzen auslösen.

  • Gynäkologische Ursachen:
    • Endometriose
    • Adenomyose
    • Verwachsungen (Adhäsionen) nach Operationen oder Entzündungen
    • Eierstockzysten
    • Beckenentzündung (PID)
    • Myome (selten schmerzverursachend ohne Komplikationen)
    • Vulvodynie, Vestibulodynie
  • Urogynäkologische Ursachen:
    • Interstitielle Zystitis / Blasenschmerzsyndrom (IC/BPS)
    • Harnröhrenentzündung / Urethralsyndrom
  • Gastrointestinale Ursachen:
    • Reizdarmsyndrom (IBS)
    • Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED)
    • Verstopfung
  • Muskuloskelettale Ursachen:
    • Verspannungen und Triggerpunkte in der Beckenbodenmuskulatur
    • Fehlhaltungen
    • Gelenkfunktionsstörungen (z.B. Iliosakralgelenk)
    • Fibromyalgie
  • Neurologische Ursachen:
    • Nervenkompression oder -reizung (z.B. Pudendusneuralgie)
    • Zentrale Hypersensibilisierung (Veränderungen in der Schmerzwahrnehmung im Gehirn und Rückenmark)
  • Psychologische Faktoren:
    • Stress, Angstzustände, Depressionen können Schmerzen verstärken oder aufrechterhalten.
    • Traumata in der Vergangenheit.

Symptome

Die Symptome des CPPS sind vielfältig und können von Person zu Person stark variieren:

  • Diffuse oder lokalisierte Schmerzen im Unterbauch, Becken oder Genitalbereich
  • Schmerzen können dumpf, stechend, brennend oder krampfartig sein
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie)
  • Schmerzen beim Wasserlassen oder Stuhlgang
  • Verstärkung der Schmerzen während der Menstruation (bei Frauen)
  • Kreuzschmerzen
  • Müdigkeit, Schlafstörungen
  • Beeinträchtigung der Stimmung und des allgemeinen Wohlbefindens
  • Blasen- oder Darmfunktionsstörungen

Diagnose

Die Diagnose des CPPS ist oft ein Ausschlussverfahren und erfordert eine sorgfältige und umfassende Abklärung, um behandelbare Ursachen zu identifizieren.

  • Ausführliche Anamnese: Genaue Beschreibung der Schmerzen (Lokalisation, Dauer, Intensität, Auslöser), Begleitsymptome, Vorerkrankungen, Operationen, psychosoziale Situation.
  • Körperliche Untersuchung: Einschliesslich gynäkologischer, urologischer und ggf. orthopädischer/neurologischer Untersuchung.
  • Bildgebende Verfahren: Ultraschall, in einigen Fällen werden MRI oder CT eingesetzt.
  • Laparoskopie (Bauchspiegelung): Kann bei Verdacht auf Endometriose oder Verwachsungen sinnvoll sein.
  • Zystoskopie (Blasenspiegelung), Koloskopie (Darmspiegelung): Bei Verdacht auf urologische oder gastrointestinale Ursachen.
  • Schmerztagebuch: Zur Dokumentation der Schmerzcharakteristik und möglicher Auslöser.
  • Psychologische Evaluation: Zur Erfassung von Stress, Angst oder Depression.

Behandlungsmöglichkeiten

Da die Ursachen oft komplex sind, ist ein multimodaler Behandlungsansatz meist am erfolgreichsten. Die Therapieziele sind Schmerzlinderung, Verbesserung der Funktionsfähigkeit und der Lebensqualität.

  • Behandlung der Grunderkrankung: Wenn eine spezifische Ursache gefunden wird (z.B. Endometriose, Infektion), sollte diese gezielt behandelt werden.
  • Medikamentöse Schmerztherapie:
    • Nicht-opioide Analgetika (z.B. Ibuprofen, Paracetamol)
    • Opioide (nur kurzfristig und bei starken Schmerzen unter strenger ärztlicher Kontrolle)
    • Antidepressiva (z.B. Amitriptylin, Duloxetin) können die Schmerzwahrnehmung beeinflussen, auch wenn keine Depression vorliegt.
    • Antikonvulsiva (z.B. Gabapentin, Pregabalin) bei neuropathischen Schmerzen.
    • Muskelrelaxanzien.
  • Physiotherapie und Beckenbodentraining: Entspannungstechniken, Dehnübungen, manuelle Therapie zur Behandlung von Muskelverspannungen und Triggerpunkten.
  • Nervenblockaden und Infiltrationen: Lokale Betäubungsmittel oder Kortikosteroide können an Triggerpunkte oder Nerven gespritzt werden.
  • Psychotherapie und Entspannungsverfahren: z.B. Kognitive Verhaltenstherapie, Stressbewältigung, Achtsamkeitstraining.
  • Lifestyle-Anpassungen: Regelmässige Bewegung, gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf.
  • Komplementäre Therapien: Akupunktur, TENS (Transkutane Elektrische Nervenstimulation) können bei manchen Patientinnen Schmerzlinderung bringen.
  • Chirurgische Eingriffe: Selten und nur bei klar identifizierbarer und operativ behebbarer Ursache (z.B. Entfernung von Endometrioseherden, Lösung von Verwachsungen).

Forschung zu diesem Thema

7 peer-reviewed Publikationen3 Auszeichnungenseit 2009

Wann einen Arzt aufsuchen?

Suchen Sie einen Arzt auf, wenn:

  • Sie unter anhaltenden oder wiederkehrenden Schmerzen im Beckenbereich leiden, die länger andauern.
  • Die Schmerzen Ihre täglichen Aktivitäten und Ihre Lebensqualität beeinträchtigen.
  • Sie Begleitsymptome wie Fieber, unerklärlichen Gewichtsverlust oder Blutungen bemerken.

Diese Informationen dienen zu Ihrer persönlichen Orientierung und ersetzen keine medizinische Beratung oder Behandlung durch eine Ärztin oder einen Arzt.

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